Short Story: Dunkelheit

Es war dunkel. Er wachte auf und es war dunkel. Wieso war es so dunkel? Wo war er? Er mochte diese Dunkelheit nicht. Er war völlig orientierungslos. Er sah sich um und er sah nichts. Es war auch kalt. Es war keine Kälte die von aussen kam, es war eine die einfach da war. Er konnte sich nicht erklären wieso.

Langsam begannen sich seine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen. Sollte er aufstehen? Sollte er die Ecke in der er kauerte verlassen? Wo sollte er dann hingehen? Er spürte, dass er nicht in einem großen Raum war. Er spürte die nähe der Wände die ihn umgaben. Er fühlte auch, dass der Raum leer war. Völlig leer. Wieso war er in einem Raum, in dem sich nichts befand? War er ein Gefangener? Gibt es eine Tür? Wenn ja, wo war sie? Tief im inneren hoffte er, dass es keine gäbe. Er wollte nicht hier sein. Er wollte sich auch nicht bewegen. Wie kam er überhaupt hierher? Er erinnerte sich nicht daran, wie er hierher kam. Sein Kopf schmerzte. Es war kein stechender Schmerz, wie bei einem Schlag. Der Schmerz war dumpf und er füllte seinen ganzen Schädel aus.

Seine Augen gewöhnten sich immer mehr an die Dunkelheit. Nun sah er seine Hände. Sie zitterten. Nur ganz leicht, doch sie zitterten. Sein ganzer Körper zitterte ein wenig. Er faste Mut und begann langsam aufzustehen. Er presste seinen Rücken an die Wand und stand so langsam, ganz langsam, auf. Er begann zu schwitzen, wobei er doch fror. Er versuchte die Wand ihm gegenüber auszumachen, doch es gelang ihm nicht. Er faste wieder etwas Mut und begann sich zu bewegen. Ganz langsam. Einen Fuß vor den anderen. Er versucht mehr zu erkennen, doch seine Augen konnten sich nicht weiter an die Dunkelheit anpassen. Er streckte seine Hände aus um sich seinen Weg zu ertasten. Plötzlich berührte er mit den Fingerspitzen eine Wand ihm gegenüber und bemerkte, dass sie feucht war. Sie war kalt und feucht. Er tastete weiter.

Als er sich so weiterbewegte bemerkte er einen schwachen Lichtschimmer. Der Schimmer war viereckig, etwa einen Meter breit und zwei Meter hoch. Eine Tür! Er wusste nicht ob er sie öffnen sollte oder nicht. Was könnte sich hinter ihr befinden? Ein Ausgang? Oder nur ein weiterer kalter Raum in dem es dunkel war?

Er tastete nach der Türklinke und drückte sie runter. Er erwartete dass die Tür sich schwer öffnen würde, doch sie ging so leicht auf wie eine Feder. Doch er öffnete sie trotzdem langsam. Trotz, dass er die Tür langsam öffnete, schloss er die Augen. Er wusste nicht wieso, doch er getraute sich nicht die Augen offen zu lassen. Als er fühlte, dass die Tür offen war und nicht weiter aufging, wollte er die Augen öffnen. Doch er tat es nicht, sondern hörte auf seinen Herzschlag. Sein Herz pochte so laut, dass er es schon als Echo vernahm. Er spürte jeden Herzschlag als einen starken Schlag, der seinen ganzen Körper durchfuhr. Er riss sich zusammen und öffnete ganz plötzlich die Augen.

Er stand mitten in der Tür. Er war in einem langen Gang. Es war immer noch Dunkel, doch er sah weit entfernt einen weiteren schwachen viereckigen Schimmer. Die Wände waren auch hier, wie im Raum aus dem er kam, glatt, feucht und kalt. Er begann sich auf das schwache Licht zuzubewegen. Auf einmal berührte seine linke Hand etwas an der Wand. Er tastete danach und es war ein Schalter. Er betätigte ihn und die Lichter gingen an. Es war so hell, dass es ihm weh tat. Das helle weiße Licht kam so überraschend, dass er vor schmerz in den Augen aufschrie. Sein kurzer Schrei hallte durch den Gang. Das Echo seiner eigenen Stimme war schrill. Es schauerte ihn vor seinem eigenen Echo. Vor seiner eigenen Stimme.

Er öffnete seine Augen. Doch diesmal nur ganz langsam. Die Wände die ihn umgaben waren aus Metall. Wie auch die Wände in welchem er in der Dunkelheit erwacht war. Er sah den Gang entlang und entdeckte nicht allzu weit entfernt eine Gestalt. Sie stand einfach nur da. Doch es war merkwürdig, denn die Gestalt war im Verhältnis zur Höhe des Ganges viel zu klein. Dann dämmerte es ihm, dass es ein kleines Mädchen war. Er konnte sie nicht richtig erkennen, denn sie war zu weit entfernt. Sie hatte aber lockiges, schulterlanges, schwarzes Haar und ein weißes Kleid an. Der Rock kam ihr bis zu den Knien. Sie war barfuss. Er wahr froh, dass er nicht der einzige Mensch hier war.

Er wollte dem Mädchen entgegenlaufen, doch in dem Augenblick machte das Mädchen einen Schritt auf ihn zu. Und dann gingen die Lichter, die dem Mädchen am nächsten waren, aus. Sie machte noch einen Schritt auf ihn zu und die nächsten Lichter gingen aus. Dann begann sie langsam auf ihn zuzugehen. Sie hatte es nicht eilig. Und die Lichter gingen eines nach dem anderen aus. Sie kam immer näher. Es spürte dass es kälter  wurde um ihn herum. Er sah sich um und entdeckte die Tür zu dem Raum aus dem er gekommen war. Aus irgend einem unerklärlichen Grund sagte eine Stimme in ihm, dass er dorthin zurückkehren sollte. Er solle weg vom Mädchen. Er sah wieder zum Mädchen und sie war schon merklich näher gekommen. Er rief ein unsicheres „Hallo“ dem Mädchen entgegen, doch sie antwortete nicht, sondern setzte ihren Weg unbeirrt fort. Er faste den Entschluss, dass es vielleicht doch besser wäre wieder in seinen Raum zurückkehren und die Tür zu schliessen.

Er ging langsam zur Tür zurück, immer wieder das kleine Mädchen beobachtend, trat er in den dunklen Raum und schlug dann plötzlich die Tür zu. Er wartete. Er hörte wieder seinen Herzschlag. Er hörte aber auch das klatschen der kleinen nackten Füße des Mädchens auf dem metallenen Boden. Sie kamen immer näher. Vor der Tür zu seinem dunklen Raum hörte das klatschen auf. Es war ihm als ob er auch ein leises Kichern hörte. Er sah den Schimmer, der durch die Ritze der Tür kam und dann war er plötzlich weg. Er bekam Angst. Er wusste nicht wieso, doch es packte ihn ein Gefühl der Panik. Er strengte seine Augen an um etwas zu erkennen und dann berührte plötzlich etwas sein Gesicht. Er schreckte davor zurück und  sah das Gesicht und die Augen des Mädchens plötzlich ganz nah an seinem Gesicht. Sie lächelte und er bekam keine Luft mehr. Er schnappte nach Luft, doch er bekam keine. Er griff sich an den Hals, doch er bekam immer noch keine. Das Gesicht des Mädchens lächelte immer noch und kam näher. Immer näher. Dann öffnete sie plötzlich den Mund und er wachte auf.

Er schnappte nach Luft und er bekam sie. Die Luft die ihm im Traum fehlte. Es war ein Traum. Er hat nur schlecht geträumt. Es kam eine Erleichterung über ihn. Er fühlte sich besser. Er musste sogar lächeln. Wie konnte jemand nur so einen Unsinn träumen. Dann sah er sich um und es stimmte irgendetwas nicht. Er war nicht in seinem Bett und auch nicht in seinem gewohnten Zimmer. Er war in einem dunklen Raum, in dem es feucht und kalt war.

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